Michael Burry – Die Suche nach unbeliebten Unternehmen für das Aktienportfolio

Einer meiner Lieblingsinvestoren ist Michael Burry. Burry war der Gründer des Hedgefonds Scion Capital, den er von 2000 bis 2008 leitete. Später schloss er den Fond, um sich auf seine eigenen Investitionen zu konzentrieren. Burry war einer der wenigen Investoren, der die bevorstehende Subprime-Hypothekenkrise erkannte und von dieser profitierte. Die Geschichte davon wird im Film – The Big Short – erzählt. Einige von Euch werden sicher überrascht sein, dass Burry ein wahrer Value-Investor ist. Er sagt: „Meine gesamte Aktienauswahl basiert zu 100% auf dem Konzept der Margin of Safety, wie es im Buch Security Analysis vorgestellt wird.“

Ich habe im Internet einen Artikel mit dem Titel MSN Money Articles By Michael Burry 2000/2001 gefunden, der Burrys Value Investing Strategie umreißt. Am auffälligsten ist, dass er ebenfalls das Bewertungsverhältnis Enterprise Value / EBITDA für seine Analyse verwendet.

Hier ein Auszug aus dem von mir übersetzten Artikel von MSN Money Articles:

Strategie

Meine Strategie ist nicht sehr komplex. Ich versuche, Aktien von unpopulären Unternehmen zu kaufen, wenn sie aussehen wie ein überfahrenes Tier und verkaufe sie, wenn sie ein bisschen aufpoliert wurden. Die Verwaltung meines gesamten Portfolios ist für mich genauso wichtig wie die Aktienauswahl selbst, und wenn ich beides gut kann, weiß ich, dass ich erfolgreich sein werde.

Lieblingswaffe: Recherche

Meine bevorzugte Waffe zur Aktienauswahl ist die Recherche. Es ist äußerst wichtig für mich, den Wert eines Unternehmens zu verstehen, bevor ich einen Groschen investiere. Ich hatte wirklich keine Ahnung in dieser Angelegenheit.  Als ich zum ersten Mal auf die Bücher von Benjamin Graham traf, fühlte ich mich, als wäre ich dazu geboren, die Rolle des Value-Investors zu spielen. Meine gesamte Aktienauswahl basiert zu 100% auf dem Konzept der Margin of Safety, wie es in dem Buch „Security Analysis“, das Graham zusammen mit David Dodd verfasst hat, beschrieben wurde. …“

Ich kümmere mich wenig um den allgemeinen Markt und beschränke mögliche Investitionen nur wenig. Sie können Large-Cap-Aktien, Small-Cap, Mid-Cap, Micro-Cap, Tech oder Non-Tech sein. Es spielt keine Rolle. Wenn ich einen Wert darin sehe, wird er ein Kandidat für das Portfolio. Es erscheint mir lächerlich zu sein, meinen Möglichkeiten Grenzen zu setzen. Ich habe jedoch festgestellt, dass der Markt im Allgemeinen Freude daran hat, das Kind mit dem Badewasser hinauszuwerfen. Deshalb finde ich in den abgelegenen Branchen einen besonders fruchtbaren Boden für Best-of-Breed-Aktien mit starken Preisnachlässen.

Wie ermittle ich den Preisnachlass? Ich konzentriere mich in der Regel auf den freien Cashflow und den Enterprise Value (Marktkapitalisierung abzüglich Barmittel plus Schulden). Ich werde eine große Anzahl von Unternehmen durchsehen, indem ich mir den Enterprise Value / EBITDA anschaue, auch wenn das Verhältnis, das ich akzeptiere, sich tendenziell von der Branche und ihrer Position im Konjunkturzyklus unterscheidet. Wenn eine Aktie diesen lockeren Screen passiert, werde ich intensiver suchen, um einen spezifischeren Preis und Wert für das Unternehmen zu ermitteln. Dabei berücksichtige ich außerbilanzielle Posten und den tatsächlichen freien Cashflow. Ich neige dazu das Kurs-Gewinn-Verhältnisse zu ignorieren. Die Eigenkapitalrendite ist trügerisch und gefährlich. Ich bevorzuge minimale Schulden und passe den Buchwert auf eine realistische Zahl an.

Ich investiere auch in „seltene Vögel“ – Vermögensspiele und, in geringerem Maße, Arbitragemöglichkeiten und Unternehmen, die weniger als zwei Drittel des Nettowerts Wert sind (Nettoumlaufvermögen abzüglich Verbindlichkeiten). Ich mische gerne die von Warren Buffett favorisierten Unternehmen bei – jene mit einem nachhaltigen Wettbewerbsvorteil, die langjährige und stabil hohe Renditen auf das investierte Kapital aufweisen – wenn sie zu günstigen Preisen verfügbar sind. Dazu können auch Technologieunternehmen gehören, wenn ich sie verstehe. Aber alle diese Investitionen sind seltene Vögel. Wenn sie gefunden werden, verdienen sie eine längere Haltedauer.

Jenseits der Aktienauswahl

Ein erfolgreiches Portfoliomanagement übersteigt die Aktienauswahl und erfordert die Beantwortung einiger grundlegender Fragen: Wie hoch ist die optimale Anzahl von Aktien? Wann kaufen? Wann verkaufen? Soll man der Diversifizierung zwischen Branchen und zyklischen vs. nicht zyklischen Werten Beachtung schenken? Wie sehr sollte man die steuerlichen Auswirkungen auf die Investitionsentscheidung beeinflussen? Ist ein geringer Umsatz ein Ziel? Zum großen Teil ist dies eine Fähigkeits- und Persönlichkeitsfrage, so dass es keine Notwendigkeit gibt, Ausreden zu finden, wenn sich die eigene Wahl von der allgemeinen Sichtweise  unterscheidet.

Ich bevorzuge es, 12 bis 18 Aktien zu halten, die in verschiedenen Industrien diversifiziert sind und bin tendenziell voll investiert. Diese Zahl scheint genügend Platz für meine besten Ideen zu bieten und gleichzeitig mildert es die Volatilität, nicht, dass ich der Meinung bin, dass Volatilität in irgendeiner Weise mit Risiko zu tun hat. Aber Sie sehen, ich habe dieses Problem mit dem Sodbrennen und brauche nicht den zusätzlichen Stress.

Den Original-Artikel von Burry findet ihr hier.

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